Freitag, 26. November 2010

7L & Esoteric - 1212


Release Date:
12. Oktober 2010

Label:
Fly Casual Creative

Tracklist:
01. Retrospects
02. Run This (Feat. Celph Titled)
03. Aneurysm
04. 12th Chamber (Feat. Inspectah Deck)
05. The Handle (Feat. Sadat X)
06. For My Enemies
07. Drawbar 1-2 (Feat. Evidence & The Alchemist)
08. No Shots
09. Bare Knuckle Boxing (Feat. Ill Bill, Vinnie Paz & Reef The Lost Cauze)
10. I Hate Flying
11. The Most Rotten (Feat. Statik Selektah)
12. New Rapper

Review:
Man mag von ihnen halten, was man will, 7L & Esoteric sind eine feste Größe der Bostoner HipHop-Szene. Das letzte gemeinsame Album liegt zwar schon eine ganze Zeit zurück, untätig war jedoch keiner von beiden. Neben der Beteiligung an anderen Projekten (u.a. natürlich AOTP) steckte Esoteric viel Energie in seine Solokarriere, während 7L immer wieder mitprodzierte und weiter kräftig als DJ unterwegs war. Inzwischen operiert man außerdem auf dem eigenen Label, Eso's Fly Casual Creative, und kann "1212", das inzwischen fünfte Studioalbum des Duos, völlig independent veröffentlichen.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Dass "1212" ein Dutzend Tracks an den Start bringt, ist irgendwie keine große Überraschung. Das Lineup an Gästen kann sich, gemessen an der Trackzahl, daher durchaus sehen lassen und wird all jene besonders erfreuen, die Esoteric auf Albumlänge als anstrengend empfinden - wobei es fraglich ist, ob jene Hörer dem Album überhaupt eine Chance geben. Die Produktionsarbeit wird brüderlich und fast zu gleichen Teilen zwischen 7L und ES (mit einer Ausnahme) aufgeteilt, womit den 40 Minuten BoomBap nach bewährter Rezeptur, die den Hörer erwarten, nichts mehr im Weg steht. Für die Ausrichtung der Scheibe nämlich kamen die beiden auf die äßerst kreative Idee, sich grob an älteren Zeiten zu orientieren - im Pressetext ist dann vom "darkest album yet" hinsichtlich der eigenen Diskographie die Rede, de facto gibt es nichts, was "1212" von anderen Alben dieser Tage unterscheidet (oder diese Beschreibung rechtfertigt). Das scheint dem Herrn, der das Intro zu "Retrospects" spricht und dabei so sehr wie nur irgend möglich übertreibt (die Arbeit von 7L & ES wird als essenziell für das Nicht-Zusammenfallen des metaphorischen HipHop-Gebäudes bezeichnet), nicht im Geringsten zu interessieren. Der sich anschließende Track ist dabei durchaus in Ordnung und verschreibt sich einem alles andere als neuen Schema, dem Revue-Passieren-Lassen der eigenen Karriere als Albumeröffnung. Und so folgt man Esoteric von ersten Aufnahmen wie der "Protocol"-12" bis zu seiner letzten Solo-LP und natürlich "1212". Was dann folgt, ist eine recht ernüchternde Darbietung der eigentlich höheren Fähigkeiten der beiden Bostoner, in der man sich nur selten zu sättigender Kost aufrafft. "12th Chamber" ist ein solcher Fall und erinnert mit einem lupenreinen Einstiegsverse des Inspectah's an bessere Zeiten. Zeiten, in denen (so ganz nebenbei) kein Schwein 7L & ES kannte und die auf dieser Scheibe wohl gerne (aber erfolglos) öfters heraufbeschworen worden wären. Stattdessen sieht man sich in "Drawbar 1-2" mit halbgarem Gedudel und den mittelmäßigen Auftritten einer halbmotivierten Dreierschaft konfrontiert, muss sich die stinklangweilige 08/15-ES-Produktion "Aneurysm" antun oder verspürt selbst beim Besuch der Philly-Delegation plus Ill Bill im mit ungestümem und schlichtweg unschönem Sample bestückten "Bare Knuckle Boxing" keine Freude. Selbst Celph Titled strandet auf einem undankbaren Beat und bleibt eher blass, Selbiges gilt bei "The Most Rotten" und Statik Selektah, dessen Gastproduktion man sich bis in die letzte Sekunde hätte sparen können. Punkte dagegen gibt es für die Konzepttracks: "The Handle" mit zahlreichen BBall-(Spieler-)Referenzen, "I Hate Flying", das von einem der besseren Instrumentals profitiert und von Eso's Flugangst - natürlich während eines Flugs - berichtet, sowie "New Rapper", in dem sich die etablierte Underground-Größe Esoteric über gewisse Feature-Anfragen auslässt.

Selbst unter der Annahme, dass man Esoteric ohne Einschränkung ein Album lang genießen kann, gibt "1212" nicht besonders viel her. Weder 7L noch Esoteric machen an den Boards eine überragende Figur, wenngleich 7L leicht die Nase vorne hat. Die dicke Gästeliste hat mit widrigen Bedingungen zu kämpfen und stellt nicht durchgehend eine Bereicherung dar. Die Hauptschuld lastet aber natürlich auf den streckenweise regelrecht lustlos produzierten Tracks, denen Esoteric zumeist nicht viel erbaulicher aufsitzt. Es ist wieder einmal das Unverständnis gegenüber tausende von Malen besser gefertigtem Standard, der die negativen Erinnerungen an "1212" in den Vordergrund rücken lässt. Wirklich schlecht ist die Scheibe zwar nicht, zur Empfehlung fehlen dann aber doch mehr als ein paar Zentimeter.

 4.7 / 10

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