Sonntag, 23. Mai 2010

Cormega - The True Meaning


Release Date:
11. Juni 2002

Label:
Legal Hustle Records / Landspeed Records

Tracklist:
01. Introspective
02. Verbal Graffiti
03. Live Ya Life
04. Ain't Gone Change
05. The True Meaning
06. A Thin Line
07. The Legacy
08. Love In Love Out
09. The Come Up (Feat. Large Professor)
10. Built for This
11. Soul Food
12. Take These Jewels
13. Endangered Species
14. Therapy

Review:
Nach dem zweifelsohne missratenen Start seiner Karriere in den Neunzigern - angefangen bei Nas' Shoutout und einem vielversprechenden Deal mit Def Jam, der dann platzte, auf dass danach auch noch die Firm-Geschichte schief laufen sollte, muss sich der mysteriöse Cormega, dessen Namen viele gehört haben, den aber wenige wirklich kennen, seinen Platz im HipHop erkämpfen. Den ersten großen Schritt nimmt er mit dem "The Realness", das sich zwar schlecht verkauft, jedoch trotzdem durchgehend positive Resonanz einfährt. Knapp ein Jahr später legt der Queensbridge-Rapper nach und veröffentlicht "The True Meaning".

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Ebenso wie beim Debüt darf man sich auch hier über ein ganzes Album mit den einmaligen Rhymes des Straßenpoeten Cory McKay freuen. Erneut verzichtet Mega weitesgehend auf Gäste, was sich als vortreffliche Entscheidung herausstellt. Mit seinem Themenspektrum geht er zwar immer noch nicht auf Weltreise, doch die konsequent durchgezogenen Bilder des eigenen Ghettos, die sich mit den altbekannten Themen zeichnen, tun's auch - schließlich ist es bei Mega die kunstvolle Art, wie er seine Rhymes aufsagt, die ihn in Kombination mit seiner Stimme einzigartig macht. Wie jeder andere auch, so braucht auch Cormega genügend gute Beats, um zu überzeugen, und hier wirft er eine seiner größten Stärken in die Waagschale: Sein glückliches Händchen bei der Beat-Auswahl ist der tragende Faktor, der "The True Meaning" zum Erfolg macht. Die Atmosphäre wirkt im Vergleich zu "The Realness" abgeklärter, teils ruhiger und oft weitaus gefühlvoller, was - wenngleich Geschmackssache - perfekt zum ebenfalls sehr besinnlichen Stimmorgan passt. Das scheint auch Mega selbst nicht entgangen zu sein, weswegen schon der mit cleverem Wortspiel bedachte Titel "Introspective" (der schon ankündigt: "I killed it with The Realness, now I'm bringin' new life") die entsprechende Marschrichtung vorgibt. Die auf "The Realness" noch öfter servierte, härtere Street-Kost packt Mega nunmehr nur noch einmal aus: "A Thin Line" ist ein erstklassiger Kopfnicker und beschäftigt sich mit der Snitch-Thematik, einem im Album immer wieder auftauchenden Motiv. Doch Cory's Stärke liegt bei den Tracks, die seiner nicht gerade kraftvollen Stimme schmeicheln: Alchemist's träumerisches "The Legacy" wird genutzt, um eine Zeitreise in die ausgehenden Achtziger zu unternehmen. Instrumental ganz ähnlich gestaltet sich das nicht minder grandiose "Love In Love Out", mit dem Mega die Geschichte mit Nas nochmals ganz nüchtern aufrollt:

"It started with the cover of YSB
A picture of The Firm, everyone except me
Then my voice disappeared off La Familia
That's when it was clear to me there wasn't no real love
I was out The Firm, unless I signed a production deal
Which I didn't do cause son, that wasn't real
I was never jealous of you, In fact I was proud of you
I smiled when I heard you on 'Live at the Barbeque'
"

Selbst mit gesungener weiblicher Hook kommt Mega problemlos zurecht, er macht daraus in "Live Ya Life" sogar ein weiteres Kunstwerk. Doch auch Platz für ein wenig Kritik muss sein: "Built For This" ist zu langweilig, um mit dem Rest der LP mitzuhalten, "The True Meaning" hat mit einem zu sehr strapazierten Voice-Sample zu kämpfen. Weiterhin mit von der Partie ist eines seiner charakteristischen Acapellas und ein überragendes Instrumental ("The Come Up") des Large Professor, für das er sich auch hinters Mic begibt. Ohne groß aufzufallen, dafür aber den roten Faden der Scheibe ohne Niveauverlust fortführend, zieht das etwas schnellere "Soul Food" (in dem Cory als Liebhaber seine starken Gefühle für die Vergebene klären muss) vorbei und schlendert das smoothe "Take These Jewels" durchs Bild, bis sich der in "Verbal Graffiti" von atmosphärischen Saiten gespannte Bogen mit "Endangered Species" in die Stimmung eines (durch entsprechende Geräusche der Fauna beschworenen) schwülen Sommerabends senkt. Den Abschluss macht das vor Melancholie triefende "Therapy[", dessen ergreifender Stimmung selbst die etwas schwach gesetzten Cuts nichts anhaben können.

Cormega schafft es, sich mit seinem zweiten (und eigentlich dritten) Album weiter in der Szene zu etablieren und sogar noch mehr Respekt einzufahren. Auch wenn man nichts darauf geben sollte, so erhielt die LP doch die Auszeichnung "Independent Album Of The Year" von der Source - in diesem Fall durchaus zu Recht. Die Verlagerung der Instrumentals in die gefühlvolleren, ruhigen Gefilde erweist sich als guter Zug, der Mega's Erscheinung am Mic nur zuträglich ist - für Street-Tales im harten Stil gibt es genügend andere. "The True Meaning" ist maßgebend an dem Bild beteiligt, das man von Cormega hat und schätzt. Denn diese einzigartige Verbindung der in gleichem Maße sanften Stimme und Instrumentals markiert bis dato sein bestes Schaffenswerk.

8.7 / 10

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