Montag, 8. März 2010

Steele - General Steele Presents: Amerikkka's Nightmare Part 2: Children Of War



Release Date:
23. Februar 2010

Label:
Duck Down Records

Tracklist:
01. Amerikkka's Nightmare
02. Pledge Allegiance (Feat. Nicole Michelle)
03. Cry Freedom (Feat. Dead Prez)
04. Tomorrow's Children (Feat. Flood Diesel & Kahlil Almustafa)
05. I Had A Vision (Feat. Louie Skaggs, Hasan Salaam, Akir & HiCoup)
06. Child of War
07. State of The Union Address
08. We On The Move Now (Feat. Nicole Michelle)
09. Amerikkkan Skemin
10. Home Of The Brave (Jimmy's Song)
11. Patriot Games
12. Rebellious (Feat. Madison Rocks)
13. Amerikkka's Nightmare (Remix) (Bonuns) (Feat. Ruste Juxx, Torae, Planet Asia, Hakeem Green, Top Dog, Shabaam Sahdeeq, Louis Skaggs, St. Laz, Lin Que, Sphinx & Rush)

Review:
Während Tek weiterhin daran scheitert, sein Solodebüt zu veröffentlichen, überrundet ihn sein Smif-N-Wessun-Kollege in der Zwischenzeit. Wie schon bei seinem letztjährigen Erstlingswerk ist Steele im Range eines Generals aktiv, diesmal jedoch auch in naheliegenderer Mission. Denn während "Welcome To Bucktown" noch eine Hommage an die Blaxploitation-Ära sowie seine Heimat darstellte, ist "Amerikkka's Nightmare Part 2: Children Of War" als inhaltlich anspruchsvolles Werk inszeniert. "Part 2"? Ja, 2004 gab es bereits einen ersten Teil, ein vernachlässigbares und dementsprechend völlig unbekanntes Mixtape.

WRITTEN FOR Rap4Fame
Irgendwie ist Steele's Unternehmen recht vorhersehbar: Man packe ein Album voll politischer und soziologischer Themen (siehe die dämliche Aufschrift "Information Contained" auf dem Cover), stilisiere Musik sowie Design in militärische Richtung à la Dead Prez und fertig ist ein pseudo-revolutionäres Werk. Denn ein echter Revolutionär ist Steele in keiner Hinsicht. Doch das soll nicht stören, solange er sich und sein Album gut verkauft, nämlich mit (erwartungsgemäß) starken Rhymes (ganz gleich wie plattgetreten themengerichtet) und entsprechenden Beats. Für Letztere wird voll und ganz auf zwei Namen gesetzt: Die relativ unbeschriebenen 7ven HD (alias Svengali) und Che Triumph hat Steele schon für sein "Welcome To Bucktown" aufgegabelt, deshalb sollen es die beiden mit BTU Entertainment assoziierten Beatschrauber hier ohne weitere Hilfe richten. Je nachdem, wie Steele sich seine instrumentale Untermalung vorgestellt hat, ist es 7ven und Che auch ganz gut gelungen: Es mag komisch klingen, doch die Sound-Kulisse des Albums ist wahrhaft militaristisch; Marschtrommeln werden zum steten Begleiter und durch gitarrenlastige oder anderweitig in beschriebene Richtung ausartende Tracks abgelöst. Hinzu kommt eine berechenbare Auswahl an Samples, die Steele thematisch Rückenwind gibt. "Ask me, this whole government corrupt", so eine seiner ersten Lines. Schließlich kontrolliert Vater Staat jeden einzelnen Bürger, unterschlägt seinen Einwohnern Freiheit und manipuliert die Medienwelt aufs Äußerste, während die Schwarzen obendrauf natürlich die pechschwarzen Schafe sind, auf die es Corporate White America ganz besonders abgesehen hat. Man kennt die Parolen - und zwar im vollen Spektrum des Härtegrads -, und Steele ordnet sich irgendwo im Mittelfeld ein. Direkte Kritik am Staat serviert Steele in jedem Song, doch "Pledge Allegiance" mit eigener Version des Treueschwurs und das rockige "Home Of The Brave" stechen noch etwas heraus. Wo nun der Stil der Songs perfekt dem Konzept dient, fehlt teils der Anreiz, der Musik Gehör zu schenken. Gerade "Pledge Allegiance" tut sich mit Nicole Michelle's Gesang keinen Gefallen. "Cry Freedom" rammt Ennio Morricone's bereits öfter verwendetes "Ecstasy Of Gold" (u.a. Jigga's "Blueprint 2") auf knallharte Marschtrommeln, "State Of The Union Address" lädt sich mit dem Kinderchor-Intro von Beginn an einen kitschigen Touch auf. Richtig stark ist das von betrübten Violinen geleitete "I Had A Vision" (natürlich wieder mit Schilderungen über das böse System), in "Patriot Games" wird ein weiteres Mal marschiert (der Beat gerät 7ven HD hierbei erstaunlich gut). Zum Schluss gibt es mit dem "Amerikkka's Nightmare" Remix einen Posse-Track, der nicht schlecht, aber auch keinesfalls notwendig ist.

Es ehrt den General, dass er auch mit seinem Album einem Konzept folgt, das ihn nicht in Beliebigkeit versinken lässt. Wo sein "Welcome To Bucktown" thematisch allerdings noch eine durchaus interessante Sache war, braucht der durchschnittliche Rap-Fan "Children Of War" weniger zwingend. Zu bekannt und breitgetreten sind die angesprochenen Aspekte, Steele fügt der Kritik keine individuellen Gedanken bei. Das alleine wäre natürlich kein haltbarer Kritikpunkt, doch in Kombination mit der oft nur durchschnittlichen Produktion von Che Triumph und 7ven HD landet man bei einem Album, das sich durchaus genießen lässt und seine kleinen, feinen Minuten hat, dem nüchtern betrachtet jedoch unter den hohen Wertungsbereichen der Saft ausgeht.

5.6 /10

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